Argentinien plant Steuerbefreiung auf Immobilienverkäufe und Mieteinnahmen
- timklingenberg
- 2. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Die argentinische Regierung hat ein weitreichendes steuerpolitisches Reformvorhaben vorgestellt, das den Immobilienmarkt nachhaltig verändern könnte. Ein aktueller Gesetzentwurf sieht vor, Gewinne aus dem Verkauf von Wohnimmobilien sowie Mieteinnahmen aus zu Wohnzwecken genutzten Immobilien vollständig von der Einkommensteuer (Impuesto a las Ganancias) zu befreien. Ziel ist es, Investitionen anzuregen, das Angebot von Mietwohnungen auszuweiten und private Ersparnisse verstärkt in den Immobiliensektor zu lenken.
Die geplanten Regelungen sollen ab dem 1. Januar 2026 gelten und sind Teil eines umfassenderen Reformpakets, das im Rahmen der sogenannten Ley de Modernización Laboral dem Kongress vorgelegt wurde.
Inhaltsverzeichnis
Ziel der Reform: Weniger Steuern, mehr Investitionen
Die zwei Kernpunkte der geplanten Steuerreform
Abkehr vom bisherigen Steuersystem
Attraktive Anreize für Investoren und Vermieter
Auswirkungen auf Angebot, Preise und Markttransparenz
Ausblick: Gesetzgebungsverfahren und Bedeutung für Investoren

Ziel der Reform: Weniger Steuern, mehr Investitionen
Nach Angaben der Regierung verfolgt die Reform zwei zentrale Ziele:
die Abschaffung von Steuern mit geringer fiskalischer Effizienz und hohem Verwaltungsaufwand
die Reaktivierung eines Immobilienmarktes, dessen stark gestiegenes Transaktionsvolumen noch unter historischen Durchschnittswerten liegt
Der Immobiliensektor gilt dabei als einer der größten Profiteure der geplanten Änderungen.
Die zwei Kernpunkte der geplanten Steuerreform
Der Gesetzentwurf sieht insbesondere folgende Änderungen vor:
Steuerbefreiung beim Verkauf von Immobilien
Ab dem 1. Januar 2026 sollen Gewinne aus dem Verkauf von Immobilien vollständig von der Einkommensteuer befreit sein – unabhängig vom Zeitpunkt des Erwerbs.
Steuerfreiheit für Mieteinnahmen aus Wohnimmobilien
Ebenfalls steuerfrei sollen künftig Einnahmen aus der Vermietung von Immobilien zu Wohnzwecken (casa habitación) sein. Die Befreiung gilt ausschließlich für Einkünfte aus Wohnraummietverträgen, nicht aber für Einnahmen gewerblicher für gewerbliche Vermietung einschließlich AirBnB u.ä.
Beide Regelungen sollen – vorbehaltlich der Verabschiedung – rückwirkend ab Jahresbeginn 2026 Anwendung finden.
Abkehr vom bisherigen Steuersystem
Bis Juli 2024 galt in Argentinien ein zweigeteiltes System bei Immobilienverkäufen:
Grunderwerbssteuer (Impuesto a la Transferencia de Inmuebles - ITI): 1,5 % Steuer auf den Kaufpreis für Immobilien, die vor dem 1. Januar 2018 erworben wurden
Spekulationssteuer: 15 % Steuer auf den Veräußerungsgewinn bei Immobilien, die ab 2018 gekauft wurden
Mit der Steuerreform 2024 (Gesetz Nr. 27.743) wurde die ITI abgeschafft und Verkäufe steuerfrei gestellt. Die 15 %ige Spekulationssteuer blieb jedoch bestehen.
Die neue Reform würde auch diese auf Immobilienverkäufe vollständig abschaffen und damit für alle natürlichen Personen ein steuerfreies Verkaufsregime schaffen.
Attraktive Anreize für Investoren und Vermieter
Die Kombination aus Verkaufs- und Mietsteuerbefreiung führen potenziell zu einen starken Investitionsanreiz:
Mieteinnahmen steuerfrei
Wertzuwächse beim Verkauf steuerfrei
in vielen Fällen keine Vermögenssteuer, sofern bestimmte Freibeträge nicht überschritten werden
zusätzliche regionale Steuererleichterungen (z. B. bei der Umsatzsteuer auf Mieten)
Ein Investor könnte somit eine Wohnimmobilie erwerben, laufende Einnahmen erzielen und das Objekt später veräußern – ohne Einkommensteuerbelastung auf beiden Ebenen.
Ein zentrales Ziel der Reform ist die Ausweitung des Mietangebots. Die Steuerbefreiung könnte dazu führen, dass:
bislang nicht vermietete Immobilien auf den Markt kommen
informelle Mietverhältnisse legalisiert werden
neue Investoren zusätzliche Wohneinheiten schaffen
Immobilien als Schutz vor Inflation und Kapitalverlust
Die Reform könnte dazu beitragen, Ersparnisse zu mobilisieren. Während Bargeld durch Inflation real an Wert verliert, gelten Immobilien in Argentinien traditionell als langfristiger Inflationsschutz.
Ein weiterer positiver Effekt: Die Abschaffung der Spekulationssteuer beseitigt steuerliche Verzerrungen, die bislang bei Währungsabwertungen entstanden sind, wenn nominelle Gewinne in Pesos real zu Verlusten in US-Dollar führten.
Ausblick: Gesetzgebungsverfahren und Bedeutung für Investoren
Der Gesetzentwurf wird derzeit in den zuständigen Ausschüssen des Kongresses beraten. Eine Verabschiedung wird – je nach politischem Zeitplan – Anfang 2026 erwartet. Auch bei späterer Beschlussfassung soll die Regelung rückwirkend gelten.
Für den Immobilienmarkt stellt das Vorhaben ein klares politisches Signal zugunsten von Investoren, Eigentümern und Projektentwicklern dar.
Zusammenfassung: die wichtigsten Punkte der Reform im Überblick
· Vollständige Steuerbefreiung auf Gewinne aus Immobilienverkäufen
· Steuerfreiheit für Mieteinnahmen aus Wohnimmobilien
· Gültigkeit ab 1. Januar 2026 (mit möglicher Rückwirkung)
· Starke Anreize für Investitionen, Neubau und Vermietung





